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Auszug aus dem Buch: Reetz.
Ein Dorf in der Brandtsheide 1861-1961:
Das Jahr 1945 in Reetz
Januar bis Mai 1945


Das Jahr 1945 wurde zum Wendepunkt in der Geschichte des Dorfes Reetz. Der Krieg ging seinem Ende entgegen. Die feindlichen Armeen standen im Westen wie im Osten an den Reichsgrenzen. Die Ardennenoffensive (14.-24.Dez. 1944) war gescheitert. Im Westen war die Wehrmacht nicht mehr in der Lage, effektiven Widerstand zu leisten. Im Osten setzte die Rote Armee Mitte Januar zu ihrer letzten großen Offensive an. Was noch kam, war noch sinnloser, als das was vorangegangen war. Dennoch verloren 1945 23 Soldaten aus Reetz ihr Leben.

Januar 1945 trafen 152 Flüchtlinge aus dem von alliierten Bomben zerstörten Düren bei Köln in Reetz ein. Dem Ortsgruppenleiter Hermann Gottschalk fiel die Aufgabe zu, Unterkunft für die "Umquartierten" zu organisieren. Sechsundvierzig Reetzer Haushalte nahmen Flüchtlinge auf. Die größten Kontingente nahm die Familien Meerkatz und Striebing auf. Bei Familie Meerkatz wohnten Bernhard und Elisabeth Utzerath und ihre sechs Kinder und Familie Striebing nahm die siebenköpfige Familie Kreutz und einen alleinstehenden Herr auf. Mit dem Fortschreiten der Offensive der Roten Armee kamen auch Flüchtlinge aus dem Osten. Nun hießen sie "evakuierte Volksgenossen". Es kamen 185 Männer, Frauen und Kinder aus den Ostgebieten, darunter 22 Menschen, die ausdrücklich als "Polen" gekennzeichnet waren. Dreiunddreißig weitere Reetzer Haushalte nahmen Flüchtlinge auf. Einige, die schon Gäste hatten, nahmen noch mehr auf.

Diese Gruppe stammte zum größten Teil aus der brandenburgischen Stadt Küstrin, gerade 150 Kilometer von Reetz entfernt. Achtundzwanzig weitere Reetzer Haushalte gaben den Flüchtlingen Zuflucht.

Unter den Flüchtlingen waren auch "Volksdeutsche" aus dem Reichsgau "Wartheland", die aber ursprünglich aus Bessarabien stammten. 1940, nach der sowjetischen Besetzung Bessarabiens, waren 93.000 Deutsche gemäß einem deutsch-sowjetischen Vertrag zwangsweiseumgesiedelt1.

Maria Uhlich erinnert sich wie deutsche Soldaten sie vom Hof holten. Alles mußten sie zürucklassen. Ein Jahr waren sie in einem Lager bei Riesa ehe sie Höfe samt Inventar von vertriebenen Polen im Wartheland übernehmen konnten. Die Familie Uhlich, zum Beispiel, hatte eine Landwirtschaft von 64 Morgen2. Am 20. Januar 1945 mußten die Deutschen das Wartheland wieder verlassen. Maria Uhlich: "Erst haben sie gesagt, wir können bleiben, und dann als es 8 Uhr abends war, hieß es, wir müssen raus." Nach Aufenthalten in Frankfurt/Oder und Fürstenwalde sollten sie nach Potsdam. "Potsdam war aber überfüllt, die haben uns nicht aufgenommen. Dann haben sie uns nach Belzig gebracht, aber Belzig war auch überfüllt. Da ist eine Betreuerin mitgefahren bis Belzig. Sie sagte, jetzt fahrt ihr bis Wiesenburg. Die Fenster war so gefroren. Da hat sie an das Fenster geschrieben, in das Eis, 'Wiesenburg', daß wir da aussteigen. Da haben schon Pferdegespanne gestanden und haben uns abgeholt nach Reetz. Am 16. Februar 1945 sind wir nach Reetz gekommen. Der Bürgermeister Herr Lüdecke hat uns untergebracht,und Erdmann Senst, der hat auch was zu sagen gehabt, und Franz Wernicke. Erst waren wir einquartiert, eben daß wir übernachten konnten, dann am anderen Tage sind wir aufgeteilt worden, wo wir noch unterkommen konnten." Maria Uhlich kam mit ihren zwei Kindern, Alma und Helmut. Sie erinnert sich, daß etwa fünf Familien dabei waren, die aus Bessarabien stammten. Unter ihnen war Katharina Hennemann und ihre zweijährige Tochter, und Gottlieb und Regine Schlotter mit ihren acht Kindern.

Die letzten Kriegswochen waren eine chaotische Zeit und es ist nicht immer möglich, die Ereignisse chronologisch korrekt einzuordnen. Am 13. April wurde der japanischen Gesandtschaft vom Deutschen Außenministerium empfohlen, ihre Vertretung von Berlin nach Bad Gastein zu verlegen. Die über 400 Japaner, die sich im Berliner Raume befanden, wurden in Gruppen von 10 bis 20 Menschen in Städte außerhalb Berlins evakuiert, unter anderem nach Belzig. Am 19. April trafen die japanischen Konsule Baba und Imai in Mahlsdorf ein. Wegen des Vorrückens der Roten Armee wurde das Schloß für die Japaner aus der Umgebung zum Sammelpunkt. Martha Friedrich, geb. Senst, erinnert sich wie die japanischen Familien zu ihnen kamen, um Eier zu holen. Schon vorher hatte der italienische Militärattach'e General Bartiromo und seine Frau in Mahlsdorf residiert. Unter anderen brachten die Japaner einen Arzt mit. Dieser etablierte sich im Reetzer Pfarrhaus, eine Tatsache, die bald das Leben eines Reetzers rettete.

Am 20. April 1945, dem letzten "Geburtstag des Führers", kehrte Gertrud Friedrich von Potsdam nach Reetz zurück. "Am 20. April 1945 fuhr zum letzten Mal der Zug bis hierunter nach Wiesenburg. Ich habe das aber vorher nicht gewußt. Morgens losgefahren in Potsdam und nachmittags um vier angekommen, wo man sonst so um zehn hier gewesen wäre. In Brück haben wir schon lange auf dem Bahnsteig gestanden, da war schon Fliegerbeschuß. Ich bin von Wiesenburg hierher gelaufen. Und meine Mutter hat mächtig geschimpft, als ich hier nach Hause kam, warum ich so lange da geblieben bin, ob ich noch den Krieg gewinnen wollte. Ich hätte doch früher nach Hause kommen können. Deutsches Militär war auch noch hier, als ich gekommen bin. Da ging es hin und her. Und dann wurde das auf einmal ganz ruhig." Deutsches Militär war überall. Die Wehrmacht, vielmehr Soldaten der Wehrmacht nahmen das, was sie meinten gebrauchen zu können. Siglinde Wernicke, Schwiegertochter von Franz Wernicke: "Dann kam die deutsche Wehrmacht und die haben uns unsere Pferde weggenommen und unseren Gummiwagen. Die haben den Johann mitgenommen als Kutscher. Mein Schwiegervater war nicht in der Lage, irgendwas zu machen. Hinter dem Mahlsdorfer Schloß irgendwo, die wollten den Johann vom Bock jagen und wollten weiter. Und der Johann hat sich dermaßen gewehrt, daß die nur die Pferde genommen haben und haben den Gummiwagen stehen gelassen. Dadurch haben wir überhaupt unseren Gummiwagen behalten. Jetzt standen wir da und hatten keine Pferde. Dann haben wir erst einen alten klapprigen Gaul von irgend jemandem geborgt undhaben unseren Gummiwagen wieder nach Hause gebracht."


Kurz vor Kriegsende stand Otto Götze plötzlich vor einer unerwarteten Situation. Der bei ihm beschäftigte polnische Arbeiter Ferdinand Waszkewiscz hatte sich in eine russische Arbeiterin, Dziane, verliebt. Sie arbeitete bei Frau Drabich, die Tochter von Carl Brandt von Lindau, in Reetzerhütten. Alfred Götze erinnert sich an die Erzählung seines Vaters: "Und eines schönen Tages sagt die Frau Drabich abends, sie solle ihre Sachen Packen und sie machen Morgen weg, Richtung Westen. Dziane wollte nicht mit. Sie hat ihren Koffer gepackt mit ein bißchen Wäsche und ist ausgerückt zum dem Friedhof in Reetzerhütten. Bis morgens, wenn die Sonne aufging zwischen drei und vier, hat sie auf den Gräbern gesessen. Und eines schönen Morgens hat Vater die Wachspresse zeitig angeheizt und die Hunde haben gebellt und hinter der Tür steht sie da und weint. Und denn nu, Dziane hier. Vater kannte sie auch schon. Auf den Hof, daß keiner was sieht. Wat nu machen? Erstmal Kaffee trinken. Ferdinand geweckt. Dziane ist hier. Wat nu machen? Es war drei Wochen vor Kriegsschluß hier. Vater sagte, oben in der Scheune eine Bucht bauen in Haferstroh. Da hat Ferdinand eine Bucht gebaut und die dann hoch. Und Dziane ist dann da geblieben. Am dritten Tag kam Feldgendarmerie und suchte mit Hunden. Vater hatte sie auf dem Hof. Hier ist keine Dziane. Ferdinand, wo ist Dziane, ist Dziane hier? Nein, Dziane ist nicht hier, er hat mit Dziane nichts zu tun. Das haben sie geglaubt. Hauptsache, wieder runter. Wenn sie mit den Hunden in die Scheune gehen und sie finden, hat mein Vater gedacht, bin ich sowieso weg."


Bald mußten feindliche Soldaten in Reetz eintreffen. Die Amerikaner waren am nächsten, kamen bis Reuden, und mit ihnen wurde gerechnet. Ortsgruppenleiter Hermann Gottschalk und andere Männer trafen eine vorsorgliche Maßnahme, die Reetz sicherlich viel Leid ersparte. Als die Bombardierung Berlins immer größere Ausmaße annahm, hatte sich Werner Hörnicke von dem Weingroßhandel Hörnicke entweder mit dem Reetzer Bürgermeister oder mit dem Ortsgruppenleiter in Verbindung gesetzt. Damit die Firma ihre Kundschaft weiterhin beliefern konnte, falls der Weinkeller in Berlin-Wilmersdorf getroffen werden würde, wurde ein Außenlager in Reetz eingerichtet und zwar im Keller der Gastwirtschaft Mehlitz. Der Wein wurde im Dorf kistenweise verteilt. Werner Friedrich: "Alles französischer Wein. Das war ein Rotwein und dann ein heller Wein. Und das wurde vorher verteilt und wir haben natürlich auch gesoffen. Wir kannten so was alles gar nicht." Lottlore Hörnicke, Schwiegertochter des damaligen Firmenchefs, schreibt dazu: "Es waren mehrere hundertausend Flaschen Wein, die der Bürgermeister kurz vor dem Zusammenbruch für eine Mark pro Flasche an die Bevölkerung abgab und zum Schluß den Rest noch verschenkte, damit die Russen sich nicht damit besaufen und Unheil anrichten können. Den Erlös zahlte der Bürgermeister auf ein Konto meines Schwiegervaters an eine Bank. Ich glaube, die Bank befand sich in Wiesenburg...Damals habe ich den Kontoauszug der Bank gesehen, nach meiner Erinnerung waren es RM 340.000,-."

Das Leben stand ausschließlich im Zeichen des Krieges. Werner Friedrich: "Die Schule haben wir ausgeräumt. Da sollte ein Lazarett rein. Wo jetzt das Feuerwehrhaus steht, war eine alte Scheune, und da mußten wir die Bänke alles reintragen. Der eine Schüler, der hat gelacht und sich gefreut. Da hat Gottschalk gesagt, ‘Das wird traurig, da ist nichts zum Lachen bei.‘ Wir mußten die gesamten Unterlagen von den älteren Schülern ausräumen. Wir haben sie dann durchgelesen, jede Rüge, jede Backpfeife war notiert, und bestimmte haben jede Menge gekriegt. Das haben wir verbrennen müssen. Wo die Kirche war, mußten wir rundum Splittergraben bauen. Wo ich da gearbeitet habe, wo die große Linde vor der Kirche steht, da haben wir jede Menge alte Schädel rausgeholt. Es war ein Massengrab gewesen. Wir haben einen Bunker bei Hübels gebaut, ein großes Ding. Das war ein richtiger Bunker. Die Jäger haben auf uns geschossen in den letzten Tagen."

Gertrud Friedrich: "Hier sind dann noch die Tiefflieger gekommen. Das Haus in der Grüne-Grund-Straße, wo die Gemeindeschwester gewohnt hat. Da war doch damals die Gemeindestation. Da haben wir denn gesehen, wie die ins Dach geschossen haben, diese Jäger. Gerade gegenüber von dem Haus wo meine Eltern gewohnt haben. Die haben sich bekämpft, deutsche und feindliche Flugzeuge."

Der Krieg kam immer näher und das Großdeutsche Reich schrumpfte immer weiter. Immer mehr setzten sich von der Truppe ab und suchten ihr Heil in den Wäldern.

General Walther Wenck, seit dem 6. April Kommandeur der hastig zusammengestellten 12. Armee, die Berlin entlasten sollte, richtete seinen Gefechtsstand in der Oberförsterei Alte Hölle ein. Am 23. April suchte Generalfeldmarschall Keitel ihn dort auf und gab ihm den Befehl:

"Befreien Sie Berlin! Machen Sie mit allen verfügbaren Kräften kehrt. Vereinigen Sie sich mit der 9. Armee. Hauen Sie den Führer heraus. Sein Schicksal ist Deutschlands Schicksal. Sie, Wenck, haben es in der Hand, Deutschland zu retten."

Nach dieser Unterredung mit Keitel entschied sich Wenck dem "Führerbefehl" nicht zu folgen, seinen eigenen Weg zu gehen und seine Kräfte zu nutzen, um so vielen Menschen wie möglich den Weg nach Westen zu öffnen und den Flüchtlingskolonnen mehr Zeit zu verschaffen, die Elbe zu erreichen und um der Roten Armee zu entkommen.

Am 24. April fiel Potsdam, die Dörfer Garrey und Zixdorf wurden von der Roten Armee besetzt und Niemegk wurde beschossen. Am selben Tag gab es den ersten (falschen) Panzeralarm in Belzig. Aus Niemegk und Belzig strömten Flüchtlinge in Richtung Reetz. Das Dorf füllte sich mit immer mehr Fuhrwerken. Auch Reetzer erwägten die Flucht und manche hatten schon die Wagen gepackt. Ulla Friedrich: "Wir wollten alle über die Elbe, es hieß immer zu den Amerikanern. Nicht bei den Russen bleiben, nicht bei den Russen bleiben." Werner Friedrich: "Die Russen waren in den letzten paar Tagen gekommen. Die Amerikaner standen schon länger hier. Man wußte nicht, was kommt und wie es kommt. Man hatte keinerlei Ahnung, was wirklich wird."

Die Angst ging um. Manche wollten unbedingt weiter. Siglinde Wernicke: "Da kamen die Verwandten, die Schwestern von Erich Miegel. Er stammte aus diesem Gebiet Oberschlesien. Die sind geflüchtet mit Pferden - die waren Bauern - und die hatten noch einen großen Leiterwagen mit Pferden und Gespanne und sind nach Westen weitergezogen. Dann haben sie bei uns ein paar Wochen gelebt und als sie merkten, die Russen kommen immer näher, wollten sie über die Elbe. Und die wollten mich mitnehmen. Unser Sohn Werner war in Februar ‘45 geboren worden. Mein Schwiegervater wollte mich mit den Verwandten von Miegel über die Elbe mitschicken. Er sagte, du bist in Gefahr wenn die Russen wirklich kommen. Du bist am meisten in Gefahr, weil du so jung bist. Ich war 18 Jahre alt. Ich habe gesagt, nee, da bleibe ich hier. Wo ihr seid, da bleibe ich auch. Denn ich habe mir gleich gesagt, in so einem großen, festen Haus, bin ich sicherer, als wer weiß wo unterwegs. Und nachher hat es sich rausgestellt, daß sie nicht über die Elbe gelassen worden sind. Die Amerikaner haben sie nicht rübergelassen."

Mit von der Partie war auch Max Jakubowski. "Als die Russen einmarschierten, da war ich schon weg. Und zwar bei Wernickes war die ganze Verwandtschaft von Polen mit vier oder fünf Gespannen da. Und ich habe immer noch den Drang gehabt, nach Westen zu gehen. Ich wollte nicht zurück zu den Russen. Die Russen kannte ich. Ich habe mit Russen allerhand erlebt. An die Gespanne habe ich mich rangehangen und bin bis nach Magdeburg gekommen. Wir fuhren Richtung Elbe. Da waren die Russen noch nicht hier. Die waren immer noch kurz hinter uns. Und als wir bei Magdeburg an der Elbe waren, da haben die Amerikaner den Leuten geholfen, überzusetzen. Wir haben es nicht mehr geschafft. Da sind die Russen gekommen. Ich habe an der Grenze noch ein Schwein geschlachtet." Sie mußten nach Reetz zurückkehren.

Durch Reetz kamen auch andere. Werner Friedrich: "Die sind stundenlang hier durchgezogen, aber man weiß nicht, wie viele sie erschossen haben von Reetz bis zum Wald hin. Aber noch drei oder vier Gräber von denen, die sie erschossen haben, waren da. KZ-Häftlinge, in gestreiften Sachen waren es. Die haben gebettelt hier, nach Brot. Das war ein paar Tage vor Kriegsende." Sie kamen die Wiesenburger Straße hoch und zogen weiter Richtung Zerbst. Manche Reetzer stellten ihnen etwas zu essen hin.

Siglinde Wernicke erinnert sich auch an die Zigeuner, die durch Reetz zogen: "Dann kamen Zigeuner und haben bei uns gebettelt, ganze Familien von Zigeunern. Die hatten alte schäbige Pelzmantel an und da runter, wenn sie sie aufmachten, hatten sie einen großen Sack und da haben sie alles reingestopft, was man ihnen gegeben hat. Ich konnte mir das nicht erklären, wo sie auf einmal alle herkamen. Das war in den letzten Tagen."

Die französischen Kriegsgefangenen nutzten die Lage, um sich von Reetz abzusetzen. Werner Friedrich: "In Reuden waren die Amis schon. Die sind wieder zurückgegangen bis Zerbst. Die Franzosen sind in aller Ruhe rübermarschiert. Als unser Franzose weggegangen ist, als er die Klamotten hochgebracht hat, hat er geweint wie ein Kleinkind."

Im Kriegstagebuch der Wehrmacht wird berichtet, daß am 26. April um 0.35 Uhr eine "Kampfgruppe Tannenberg" unter einem Leutnant Schlüter mit einem Zuge Reetz und Reetzerhütten besetzte. Am 28. April wurde Beelitz-Heilstätten von der Roten Armee eingenommen.

Ein Reetzer hatte zu dieser Zeit andere Sorgen. Erwin Schulze: "Mein Vater kriegte ein Geschwür am Knie. Eine ziemlich böse Sache war es, ein Lymphdrüsengeschwür, was hier von der Lymphdrüse ausgegangen war und zum Abszeß führte. Und die Sache ging nur mit ärztlicher Behandlung. Nun hatten die Reetzer einen Vorteil, die japanische Gesandtschaft war im Schloß in Mahlsdorf untergebracht. Im Pfarrhaus in Reetz war der Arzt der Gesandtschaft. Da haben wir Verbindung aufgenommen zu ihm, der sprach auch Deutsch. Dann haben wir Vater mit dem Handwagen hingefahren und der hatte die Sache operiert im Pfarrhaus. Da haben wir auch ein paar Tage hinfahren müssen."

Mittlerweile schrumpfte Deutschland immer weiter. Am 2. Mai kapitulierte die Reichshauptstadt. Am 3. Mai wurde die Kreisstadt Belzig kampflos übergeben. In Reetz wurden von den Männern des Volkssturms, also den Veteranen des Ersten Weltkrieges, Panzersperren errichtet, am Ortsrand in der Belziger Straße und in der Zerbster Straße, wo die Chausee, die Grüne- Grund-Straße trifft. Sie bestanden aus großen Balken, blieben aber nicht lange bestehen. Helene Friedrich: "Da waren doch welche im Dorf, sie haben gesagt, wir reißen das wieder weg. Sie haben gesagt, so ein Quatsch, wir lassen uns nicht mehr das Dorf hier kaputtschießen. Der Gemeindediener Hermann Friedrich und andere haben das wieder weggemacht, bevor die Russen kamen."

In der Nacht vom 3. zum 4. Mai ging Müller Kühne und anderen mit Pferden zum Dorfrand Richtung Reetzerhütten und haben die Bäume entfernt, die als Panzersperre dienen sollten.

In dieser Nacht tagte die NSDAP zum letzten Mal, um über das Hissen der weißen Fahne zu besprechen. Ein Reetzer berichtet: "Es haben in der Nacht zum 4. Mai noch mal die Nazis getagt. Und da hieß es, auf dem Mühlenberg ist Werwolf. Das waren kleine Hitlerjungs, die kämpfen wollten bis zum Schluß. Die waren von Belzig. Es sollen noch Reetzer dabeigewesen sein. Man hat beraten über die Russen und das Hissen der weißen Fahne. Da sollen die Werwölfe gesagt haben, wenn Reetz die weiße Fahne hißt, dann werden sie Reetz zusammenschießen."

Um vier Uhr früh, am 4. Mai 1945, traf die Rote Armee in Reetz ein. Siglinde Wernicke erinnert sich: "Wir hörten, daß in der Nacht russische Panzer durchs Dorf gefahren waren. Wir hatten immer mit den Amerikanern gerechnet, weil sie viel näher dran waren. Sie waren an der Elbe. Wir hörten, Russen sind bei Berlin. Das ist sehr viel weiter weg als die Elbe. Plötzlich ging das wie ein Lauffeuer durchs Dorf, russische Panzer sind durchgefahren.

"Die hatten alle diese kleinen Panjewagen und sie waren so hoch aufgetürmt mit Matratzen, daß ich immer dachte, der ganze Wagen kippt um. Oben drauf saßen ein oder zwei Männiken. Einer hat die Pferde gelenkt und der andere hatte ein Schifferklavier gehabt. Sie saßen da drauf und haben gesungen und gemacht und alle voll mit Wodka und was weiß ich."

Zunächst standen viele an den Straßen und schauten das Spektakel an. Unter ihnen waren auch "Volksdeutsche", die Russisch konnten. Manche unterhielten sich mit den Truppen. Manche Frauen mußten bald für ihr Neugier teuer zahlen. An dem Tag, als die Rote Armee Reetz erreichte, meinte eine Reetzerin Grund zu haben, ihr Leben zu nehmen.


Friede und Gewalt


Werner Rabinowitsch erinnert sich an den ersten Tag der sowjetischen Besatzung. "Am 4. Mai kamen die Russen, um 4 Uhr früh. Um 9 rum rief mich einer zur Schule und da stand ein Panzer vor der Schule. Die wollten Gottschalk holen und ihn aufhängen. Der war weg, und der Amtsvorsteher hatte sich auch versteckt. Gott sei Dank. Die polnischen Arbeiter haben die Russen geholt und die Panzer dahin geführt." Auch zum Mühlenberg fuhren die sowjetischen Soldaten, wo "Werwölfe" sich versteckt haben sollten. Diese waren aber schon abgezogen.

"Dann ging es los mit den Vergewaltigungen." Martha Fricke, geb. Striebing: "Die Frauen haben sich alle versteckt. Als die Russen erst kamen, haben die Leute zugeguckt, bis sie gemerkt haben, was los ist. Alle Gartenzäune waren auf. Man konnte von einem Grundstück auf das andere. Man wußte Bescheid, aber die Russen nicht. Wir waren immer in Bewegung. Wir haben bei Allrichs geschlafen. Ich wäre hier alleine gewesen und das war ja nichts. Da wurde aufgepaßt. Wenn sie kamen, mußten wir raus, mußten uns verstecken. Irgendwie hat es auch geklappt. Die haben uns nicht gekriegt. Und das ging rundum von einem Grundstück aufs andere. Das war furchtbar. Es haben keine Russen hier gewohnt. Die kamen immer über Nacht. Da war immer was los. Monate hat das gedauert. Im Mai ind sie gekommen und das hat angehalten bis in den Herbst."

Siglinde Wernicke: "Manche haben sich auf die Straße gestellt und geguckt oder aus dem Fenster geguckt und die Russen haben sich das ganz schnell gemerkt, wo junge Frauen waren, und dort sind sie natürlich zuerst rein. Wenn sie an die Tür klopften unten, da war alles verriegelt und verrammelt, dann waren wir jungen Frauen alle wie der Blitz verschwunden. Und wer das nicht gemacht hat, der wurde vergewaltigt, in Reetz eine ganze Menge."

Gertrud "Trudchen" Friedrich: "Die Gärten der Medewitzer Straße und von der Grünen-Grund-Straße, die stoßen zusammen. Und da haben wir immer Stacheten losgerissen und bloß so rangestellt, daß es aussah als wäre es zu. Wir immer gehorcht, wo sind sie jetzt und da immer durch. In dem Haus, wo der Walter Senst jetzt wohnt, das kleine Haus, der Garten, der stieß da auch ran. Früher hat Elsbeth Lühnsdorf mit ihrer Mutter da gewohnt. Sie hatte noch einen Onkel, einen älteren Herrn und der hat uns immer auf seinen Boden raufgelassen und dann hatte er die Bodenluke zugemacht. Wir haben da geschlafen. Wir haben das Schreien oft gehört von den Frauen. In der ersten Zeit haben wir uns nicht auf das Feld getraut, weil wir Angst hatten, wir begegnen Russen."

Bei Müller Kühne wurden die Frauen auch auf dem Dachboden versteckt. Ein Schrank wurde zur Tarnung vorgeschoben. Thea Schulze, geb. Friedrich, versteckte sich mit anderen Frauen im Taubenschlag oberhalb ihrer Waschküche. Martha Friedrich, geb. Senst, wurde mit anderen erst in der Scheune versteckt. Dann hieß es, bei Loths gegenüber wohnten zwei Flüchtlingsfamilien und die Russen hätten sie in Ruhe gelassen. Da ging Martha zu ihnen und hielt sich etwa vier Tage dort auf. Danach machte ihr Vater einen Durchbruch oben in der Scheune und versteckte sie und andere junge Frauen hinter dem Heu. Bis Ende Mai blieben sie versteckt. Gefährlich war es, wenn die Russen sich gelegentlich Heu geholt haben. Durch ihr eigenes Lachen wurden sie fast verraten, wenn Soldaten der Roten Armee vorbeigingen. Und die Photos, die im Wohnzimmer standen, fielen den sowjetischen Soldaten auf. Ihr Vater, Albert Senst, erzählte den Russen, die jungen Frauen wären alle weg.

Erwin Schulze: "Die Russen haben hier ihre Spiele gemacht. Die sind jeden Abend von Medewitzerhütten gekommen. Bei Medewitz hatten sie im Wald ein Biwak gebaut, d.h. so ein Feldlager. Die ganzen Bretter haben sie aus den Sägewerken zusammengeräubert. Sie haben sich vergrößerte Hundehütten gebaut und da haben sie drin gehaust. Und abends strömten sie immer aus. Alkohol war eine wichtige Sache und etwas zum Essen wurde auch noch gesucht. Und Matinka3 wäre auch ganz gut gewesen."

Diese nächtlichen Besuche konnten erschreckend sein. Siglinde Wernicke: "Eine Nacht haben Russen bei uns im Haus geschlafen. Der Offizier sagte zu meinem Schwiegervater, wir garantieren, unsere Soldaten werden ihren Frauen nichts tun. Mitten in der Nacht steht plötzlich ein Russe in dem Schlafzimmer meiner Schwiegereltern und schreit meine Schwiegermutter an, ‘Du, mitkommen, mitkommen.‘ Und schmeißt ihr Kleid aufs Bett. Sie hat gedacht, sie soll melken im Kuhstall, weil er sie nach dem Kuhstall gestoßen hat. Wie sie im Kuhstall war, fing er an ihr die Kleider zu zerreißen, sagte, ‘Alles runter, alles runter.‘ Sie hat natürlich losgeschrien und geschimpft. Mein Schwiegervater hat das gehört und ist gleich fort zu den Offizieren gerannt. Und die sind runter gekommen und haben den Soldaten mit vorgehaltener Pistole herausbefördert. Der war nicht von der Truppe. Der war von wo anders,war angetrunken und war auf den Hof gekommen."

Manchmal wehrten sich die Frauen erfolgreich. Wieder Siglinde Wernicke, die aus Berlin stammte: "Meine Mutter war bei Kriegsende auch bei uns in Reetz. Plötzlich stand ein Russe im Zimmer, hat sie sich gleich vorknöpfen wollen. Die fing an zu schreien und hat sich gewehrt mit Händen und Füßen. Da kam meine Schwägerin rein und hat auf ihn eingehauen, ich weiß nicht womit, aber sie hat ihn so vermöbelt, der war auch so betrunken, daß er auch weggetorkelt ist und weg war er."

Flüchtlinge, die Russisch oder Rumänisch sprachen (in der Roten Armee waren auch Rumänen) konnten an manchen Stellen durch ihre Sprachkenntnisse helfen, Schlimmeres zu verhindern. Manche erzählen, es gab Reetzerinnen, die sich opferten, um andere zu schützen.

In Ortsteil Zipsdorf war die Lage auch schwierig. Als die sowjetischen Truppen dort eintrafen, waren ihre Pferde so erschöpft, daß ein Pferd im Gespann verendete. Die Männer von Zipsdorf mußten es begraben. Aus dem Stall der Familie Kühne holten die Soldaten sich ein neues, später noch eins. Die Kühe wurden aus den Ställen vertrieben, um Platz für ihre Pferde zu machen. Die Familie Kühne mußte ihr Haus räumen und im Stall schlafen.

Als die sowjetischen Truppen eines abends eine Siegesfeier veranstalteten, wurden die Zipsdorfer, nachdem ihre Speisekammern geplündert worden waren, dazu gezwungen, teilzunehmen. In den Tagen darauf wurden die Wälder rings um Zipsdorf angezündet. Dennoch flüchteten die Frauen und Mädchen bei Dunkelheit in den Wald und übernachteten dort an sicherer Stelle. Wenn die Männer nach den "Matkas" [Mütter] gefragt wurden und sagten, sie seien nicht da, schlugen die Besatzer sie zusammen. Später ersetzten polnische Truppen die sowjetische Besatzer. Ihr Verhalten war aber kaum besser.

Die Angst saß sicherlich in jeder Frau und die Ereignisse hinterließen Spuren. Ulla Friedrich, die am Kriegsende erst ein kleines Kind war: "Die Frauen waren unsere Mütter. Das haben wir so als Kinder miterlebt. Wobei die Kinder heute weiter sind. Wir wußten nicht warum. Wir waren damals nicht aufgeklärt. Wir konnten uns das nicht denken. Das hat man bloß gehört."

Wie im Falle Wernicke, gab es auch andere Offiziere der Roten Armee, die die Übergriffe nicht tolerierten. Erwin Schulze: "Es hat auch Vorgesetzte gegeben, die solche Schweinehunde gemaßregelt haben. Hier unten habe ich einen stehen sehen, dem hat er mit der Pistole ein Ding über den Schädel geschlagen, und der mußte an der Linde da stehen, ungefähr einen halben Tag. Der konnte kaum noch stehen, so hatte er den demoliert, weil er Frauen angegriffen hatte. Die Sache liegt unterschiedlich. Manche waren so und manche waren so. Die Deutschen sind auch nicht anders gewesen."


Plünderungen


Im Chaos der Zeit wurden manche zu Handlungen verleitet, die sonst tabu gewesen wären. Eine Reetzerin erinnert sich: "Die Front stand bei Neuendorf. Von Neuendorf waren Flüchtlinge hier, von Rädigke waren sie gekommen, von Borne waren auch welche gekommen. Da spielten sich noch die Kämpfe ab. Bei Mehlitzes war ein Warenlager mit Textilien. Man wußte das gar nicht so genau. Und dann morgens hier um acht hieß es, die Russen sind durch und der Laden ist da aufgemacht, die holen sich alle Zeug. Die Nachbarin sagte, komm wir gehen auch mal hin. Meine Mutter sagte, bleib du bloß zu Hause, bleib du bloß zu Hause. Als wir da ins Dorf kamen, sahen wir die Panjewagen von der Wiesenburger Straße hoch nach Zerbst raus fahren. Der Krieg war noch nicht zu Ende. Erst ein paar Tage später ist der Krieg zu Ende gewesen. Ob die Russen das Lager aufgemacht haben oder ob es die Flüchtlinge waren? Die haben mit ihren Fuhrwerken auf dem Hof gehalten. Ich ging schon rein in den Saal. Da war schon alles Hals über Kopf. Leute waren auch noch da. Ich habe mir dann auch einen Mantel genommen, den hat mir noch eine andere Frau aus der Hand gerissen. Da habe ich mir noch ein Sommerkleid mitgenommen und für Mutter noch ein Wollmantel und damit bin ich wieder nach Hause gegangen."

Elli Kühne, die der Gaststätte direkt gegenüber wohnte: "Was denken Sie was hier drüben los war? Bertold Mehlitz, der Bruder von meiner Schwiegermutter, war geschieden. Die Oma war gestorben und das Haus stand leer. Sie haben alles ausgeräumt, alles Reetzer. Und wir sind dann noch rüber gegangen und haben seine Schlafstube gerettet. Die haben sich auch an allen Privatsachen vergriffen."

Erwin Schulze erinnert sich: "Da wurden Damenmäntel und sonst was alles nach Hause geschleppt, die diese Leute zum Teil für Zucker nach Gommern und sonst wohin vertauscht haben.“

Und das war nicht der einzige Fall. Werner Friedrich: "Hier in Reetzerhütten war ein Kohlelager, wo Karlswerk ist, hinter Reetzerhütten, Das war ein OT Lager. OT heißt Organisation Todt4. Da hatte man alles vom Nagel bis zur Schippe, Hammer, Geschirrzeug, italienische Reitsattel gelagert. Die Sattel haben wir immer geholt und das Leder ausgeschnitten. Dann oben wo Klisches wohnen, war ein Autobusgarage, da waren Fahrradersatzteile. Das ist auch geplündert worden. Mit den Armen voll Luftpumpen sind wir nach Hause gegangen, Luftpumpen und sämtliche Sachen"

Auch das Schloß in Mahlsdorf wurde geplündert. Am 18. Mai teilte die Sowjetische Militär Administration (SMA) der japanischen Gesandtschaft mit, daß die Japaner die sowjetische Besatzungszone innerhalb von vier Stunden zu verlassen haben. Die Japaner in Mahlsdorf wurden am selben Tag von der Roten Armee abgeholt und zum Bahnhof Lichtenberg in Berlin gebracht. Es waren ingesamt 114 Japaner "aus Belzig". Ob alle in Mahlsdorf waren? Zwei Tage später wurden die Japaner über Moskau nach Japan zurückgeschickt. Erwin Schulze: "Ein paar Tage später waren wir unten. Wir haben nur geguckt. Wir haben nichts geholt. Wir waren erschüttert, was da zu sehen war. Es standen noch die Teller zum Essen der Japaner da. Die Russen haben erstmals geplündert. Die haben die ganze Sache eröffnet, nachdem sie die Japaner raus hatten. Die Wandverkleidung an der Treppe entlang mit Holz, prima getäfelt, alles runter mit der Brechstange. Ganz wertvolle Sachen haben die Russen da rausgeschleppt, unter anderem nach ihrem Biwak. Dann kamen die Reetzer.

"Das Schloß war einmalig. Die Bibliothek hatte, nach heutigen Maßstäben, einen Wert von mehreren Millionen. Mehrsprachige Bände waren da in Massen vorrätig, und zurückgehend bis auf die erste Zeit der Buchdruckerkunst. Und alles akkurat eingebunden, Das waren alles wertvolle Exemplare, die der da besessen hat. Gemälde ebenfalls. Einige Florentinerleuchten, Möbel, die ganzen Möbel mit der Wandfarbe jeweils abgestimmt. Alles verwüstet. Es hat einem leid getan, was da passiert ist. Da haben auch Reetzer mitgewirkt, unbedachte Zerstörung. Der Rittmeister war zu dem Zeitpunkt noch da - der war vorher als Major entlassen worden, er war ja schon ein älterer Mann - der hat die ganze Plünderung miterlebt. Der hat auf dem Tritt gestanden. Er wohnte nachher in dem Fachwerkhaus in Mahlsdorf. Dann haben die Russen ihn geholt. Seine Frau war schon drüben."

Ulla Friedrich erlebte die Plünderung des Schlosses als Kind: "Der Rittmeister war für uns eine Persönlichkeit. Und nu hieß es, wir dürfen in dieses Schloß, was sonst tabu war. So was hatten wir als Kinder noch nicht gesehen. Mensch, wir waren nur sechs oder sieben Jahre, von nichts eine Ahnung, was sich da überhaupt abspielt. Wir hatten als Kinder keinerlei Spielsachen. Man sagte, da kann man Spielsachen holen. Wissen Sie, was wir geholt haben? Von den Kristallleuchtern, die Kristallbommeln, die waren runtergeschlagen von den Russen und lagen unten rum. Und die haben wir uns aufgesammelt. Das war das schönste Spielzeug, weil man sah wie sich das Licht darin brach. Damit haben wir gespielt. Dann haben wir Meißner Porzellan und chinesisches Porzellan geholt, keine Ahnung, daß das so wertvoll war. Die kleinen Schüsselchen, das waren unsere Sandförmchen. Und damit bin ich nach Hause gekommen mit diesen Sandförmchen, da hat meine Mutter gesagt, bist du verrückt, das Zeug mußt du sofort wieder hinbringen. Da sind wir wieder losgegangen und haben versucht, es wieder runterzubringen, aber wir wollten damit spielen im Sand.“

Erwin Schulze: "Dann kam eine Bekanntmachung, daß zu einem bestimmten Tage, die entwendeten Gegenstände wieder hinzubringen sind. Eine ganze Menge haben noch wieder was hingebracht, weil sie Angst kriegten vor den Folgen. Die wertvolle Bestecke mit dem Wappen als Gravur haben sie massenweise geholt. Alles Silber. Was sie wieder hingebracht haben, ist wieder verschwunden, von den Russen und anderen auch noch. Jedenfalls waren es eine ganze Menge Reetzer, die da was geholt hatten, und es sind auch eine Reihe von Leuten, die was wieder hingebracht haben. Vielleicht in der Erkenntnis, daß es unredlich war, was sie gemacht hatten." Noch heute stehen in manch einem Reetzer Haushalt Gegenstände aus dem Schloß.

Curt von Schwerin war in Mahlsdorf, als die Rote Armee kam. Davor hatte er noch, trotz seines Alters, im Volkssturm Panzerfallen gebaut. Es heißt, sein Bruder Bernhard in Berlin unterhielt Kontakte zu Widerstandsgruppen. Gegen Ende des Krieges soll der Rittmeister einen abgeschossenen englischen Flieger versteckt haben. Nun wohnte er in einer der Unterkünfte seiner Bediensteten. Manchmal besuchte er seine Nichte, Christa von Drabich, die mit ihren Kindern im Forsthaus in Reetzerhütten wohnte. Um Ruhe zu finden, legte er sich gelegentlich bei Maurermeister Albert Senst auf das Sofa. Von den sowjetischen Besatzern wurde er, obwohl er nie ein Nationalsozialist gewesen, abgeholt und in das Lager Torgau gebracht. Später wurde er nach Rußland verschleppt. Nach seiner Entlassung ging er nach Bayern, nach Westernham bei Roseneck, wohin seine Frau nach seiner Verhaftung gegangen war. Er starb 1966. Seine Frau lebt noch heute (1998) in Westernham.

Einige Jahre später wurde sogar das in der Mitte des 19. Jahrhunderts angelegte Erbbegräbnis in Mahlsdorf zerstört. Die Erklärungen, wie es zu der Zerstörung kam sind widersprüchlich. Es scheinen aber Jugendliche aus Reetz oder der Sonderschule in Mahlsdorf gewesen zu sein. Manche meinen, die Tat geschah aus ideologischem Eifer gegen die alten Herrschaften; andere glauben, die Grabschänder vermuteten Wertvolles in den Gräbern. Ein Reetzer, der daran beteiligt war, sagte es sei pure Neugier gewesen. Die völlige Zerstörung zogsich über Jahre hin.


Die Kommandantur


Eine sowjetische Kommandantur zog in das Pfarrhaus. Vor dem Haus des Bürgermeisters Hermann Lüdecke wurde die erste Versammlung nach dem Krieg abgehalten. Da sprach der sowjetische Kommandant zu der Bevölkerung. Übersetzt wurden seine Worte von einem Flüchtling, der Russisch beherrschte. Ob er in diesem Fall tätig war, ist nicht bekannt, aber der Flüchtling Gottlieb Schlotter arbeitete bei Bedarf für die Kommandantur als Dolmetscher.

Werner Rabinowitsch arbeitete für die Kommandantur: "Ich wurde Ortskundiger. Die Russen, die Zivilarbeiter, kamen von der Kommandantur und suchten einen Ortskundigen, also einen Verbindungsmann vom Bürgermeister zu der Kommandantur. Wenn die Kommandantur etwas haben wollte, mußte ich rüber gehen zum Bürgermeister. Oder wenn der Bürgermeister etwas haben wollte, ging ich zum Kommandanten und sagte ihm das. Zu dem Kommandanten hatte ich keine so direkte Beziehung. Das ging über den Feldwebel. Es waren der Kommandant, der Stellvertreter, der Feldwebel und wohl noch drei Soldaten, die Wache gehalten haben, wohl fünf, sechs Mann. In Wiesenburg war die Bezirkskommandantur, die war größer." Die Kommandantur war von Mai bis Juli in Reetz.

In den ersten Tagen nahmen sowjetische Truppen alles, was sie meinten, gebrauchen zu können. Bei Wernickes waren sie auch. Siglinde Wernicke: "Die Russen haben die Schweine aus dem Stall geholt und gleich mitgenommen. Wir hatten große Schlachtemesser und so was. Das haben sie alles mitgenommen. Ackergeräte konnten sie nicht gebrauchen." Werner Friedrich, zu der Zeit noch eine Kind, erinnert sich an das Konfiszieren und auch an die Rache der Kinder. "Bei uns in der Scheune hatte die Wehrmacht 100 Doppelzentner Hafer gelagert. Nach einigen Tagen haben sie das rausgekriegt; es wurde verraten. Dann haben sie den Hafer abgeholt, alles mit dem Panjewagen raus. Da war noch ein Sack Hirse zwischen dem Hafer, den hatte man beiseite geschafft. Dann haben sie aber gesucht. Uns Kindern haben sie nichts getan. Die haben Hühner geklaut. Und wir haben dann vom Panjewagen die Radbüchse abgeschraubt und dann flog das Rad runter. Da haben wir uns versteckt." Die Rotarmisten durchsuchten jedes Haus. Wurde was gefunden, ging es gleich mit. Unter anderem tauchten einige Flaschen Wein aus dem Lager bei Mehlitzes auf.

Von der Kommandantur wurde auch die Beschlagnahme von Autos, Radios und anderem befohlen. Zu den Aufgaben von Werner Rabinowitsch gehörte die Durchführung der Befehle zur Beschlagnahme. Auch Mitarbeiter des Bürgermeisteramtes waren an dieser unangenehmen Aufgabe beteiligt. Hildegard Schmidt, geb. Meerkatz: "Man hatte immer so eine Angst. Es waren zwei Kommandanten hier. Der erste blieb nicht lange und dann kam noch einer. Ein bißchen Deutsch konnten sie. Wir mußten öfter rüber, dann wollten sie dies haben oder das haben. Wir mußten immer für die Kommandantur arbeiten, für die alles ranschaffen. Wir mußten immer laufen und alles holen von den Leuten. Eine Freundin war die Kindergärtnerin Edith Wollkopf, zu ihr haben sie immer gesagt, ‘Du Partei‘ und ihr ein bißchen Angst gemacht. Und wir beiden mußten immer rüber. Und sie hatte immer Angst."

Elli Kühne: "Es kam einer zu uns, ‘Wo ist euer Auto? Wo ist euer Motorrad?‘ Wir hatten das Auto da drüben zu stehen, wo jetzt das Feuerwehrhaus ist. Da stand noch eine alte Scheune, die auch zum dem Mehlitzschen Gehöft gehörte. Weil auch kein Platz war, hatte mein Schwiegervater noch sein Auto drin. Das mußten wir gleich hergeben." Auch der Planwagen, mit dem der Müller die Bäcker beliefert hatte, wurde mitgenommen. Die beschlagnahmten Autos wurden auf dem Grundstück des Pfarrhauses abgestellt.

Bei Otto Götze rettete Ferdinand Waszkewiscz den Trecker und den Gummiwagen und seine Freundin schützte die Familie vor Übergriffen. Von dem Wagen hat Waszkewiscz die Gummiräder abmontiert und in den Mist eingebuddelt, von dem kleinen Trecker die Düse rausgeschraubt, um ihn unbrauchbar zu machen. Nun sorgte die versteckte Dziane dafür, daß russische Offiziere einquartiert wurden, die keine anderen auf den Hof ließen.

Gisela Kühne, geb. Friedrich, erinnert sich an die Geburtstagsfeier des sowjetischen Kommandanten kurz vor dem Abzug der Kommandantur. "Da waren die ganzen Kommandanten aus der Umgebung eingeladen zum Essen. Alles Offiziere. Frau Kohl hat immer gekocht da im Pfarrhaus. Da kommt Werner Rabinowitsch und sagte, heute Abend sollten alle dahinkommen, zur Kommandantur. Euch passiert nichts, ich bin ja auch dabei. Wir sind hingegangen. Eine Frau hat Klavier gespielt, und wir saßen in dem großen Raum. Dann kamen ein paar Russen und wir haben getanzt, und es gab ein Essen. In der anderen Stube war eine ganz lange Tafel und so viel Essen drauf. Wir wußten nicht, was wir essen sollten. Es saßen Russe, Mädel, Russe, Mädel, Russe. Der Kommandant hat Wasser getrunken. Die anderen immer Wodka, Wodka, Wodka. Als wir satt waren, dann sind wir wieder rein gegangenin den Raum. Wir haben noch getanzt und wir sind dann nach Hause gegangen. Wir haben uns feste eingehakt und ich war in der letzten Reihe. Mit einmal wollte einer mich wegziehen. Wir haben dann gleich Rabatz gemacht. Wir waren eine ganze Masse Frauen, alle die irgendwie mit Rabinowitsch verwandt waren. Das muß in der Heidelbeerzeit gewesen sein, denn wir haben fürdie Kommandantur Heidelbeeren gepflückt."


Verhaftungen


Als der Krieg aus war, mußte auch Reetz "entnazifiziert" werden. Die NSDAP hatte in Reetz zu der Zeit über 50 Mitglieder. Etwa 120 Reetzerinnen waren Mitglieder der NS-Frauenschaft und fast 140 Kinder und Jugendliche waren in der Hitlerjugend, Jungvolk, Bund deutscher Mädel, und Jungmädel organisiert, abgesehen von all den anderen NS-Organisationen.

Am Kriegsende wurden einige Reetzer Männer verhaftet. Die genaue Zahl ist nicht zu ermitteln. Werner Rabinowitsch schätzt eine Zahl von 30 bis 35. Es waren vorwiegend Männer des Volkssturms. Unter anderen wurden Otto Striebing, Paul Nitze, Ernst Striebing, Otto Kühne, Hermann Menz, Albert Heinrich, Richard Kersten, und Hermann Gottschalk abgeholt. Der Reetzerhüttener Lehrer Otto Ziegener, der Bataillonskommandeur des Volkssturmes war, wurde mit einem Motorrad abgeholt. Auch einige jüngere wurden abgeholt.

Otto Schulze, der ja kurz zuvor von dem japanischen Arzt am Knie operiert worden war, blieb die Verhaftung erspart. Erwin Schulze: "Nun lag mein Vater aber im Bett. Da kam der Offizier von Wiesenburg mit der Dolmetscherin,einer Russin. Es war ein ganz falsches Geschöpf. Die war wie eine Bestie. Da mußte Vater, dernicht stehen konnte, raus aus dem Bett und eine Vorführung machen, daß die Sache wirklich so war, daß er nicht abholfähig war. So niederträchtig ist die Geschichte vonstatten gegangen."

Die Männer wurden zunächst nach Wiesenburg gebracht, wie sich Werner Rabinowitsch erinnert, der auch zu den Festgenommenen gehörte: "Diese 35 Reetzer wurden dort in einem Haus, unten im Keller eingesperrt. Es waren Volkssturm oder SA-Mitglieder. Wer die Liste aufgestellt hat, ist eine Frage. Wir mußten dann hoch. Sie fragten, wer ich bin, meinen Lebenslauf und den von meinem Vater. Am ersten Pfingstfeiertag mußte Gottschalk hoch und ist nicht wieder herunter gekommen. Keiner wußte, wo er geblieben ist. Am 2. Pfingstfeiertag ‘45 mußte ich hochkommen. In einem Lkw sind sie mit mir losgefahren. Mit einem Mal hielt der Wagen in Reetz, auf dem Hof von Berndts. Ich war frei. Da traf ich Gottschalk auch wieder. Der war auch wieder frei."

Die meisten wurden dann nach Brandenburg gebracht. Die Frauen dieser Männer gingen nach Belzig, um gegen die Verhaftungen ihrer Männer zu protestieren und um Bescheinigungen zu holen. Nach sechs bis acht Wochen waren die meisten wieder zu Hause. Martha Fricke: "Sie waren in einem Lager. Sie haben auf dem Fußboden geschlafen mit einem Dachstein als Kopfkissen und nichts zu essen gekriegt. Mein Vater war abgemagert, als er nach Hause kam." Viele waren aber krank zurückgekehrt.

Hermann Menz und Albert Heinrich, der Kassenverwalter der NSDAP gewesen war, kehrten nicht zurück. Schon am Tage des Einmarsches der Roten Armee war Menz verhaftet worden. Er sollte einen Polen, der bei ihm gearbeitet hatte, geschlagen haben. Er wurde von diesem - es soll sich um einen polnischen Unteroffizier gehandelt haben - angezeigt. Hermann Menz starb in Waldheim. Albert Heinrich kam im Lager Buchenwald ums Leben.

Lange blieb Herman Gottschalk nicht auf freiem Fuß. Schon vor Kriegsende hatten seine Frau und Töchter ihn bedrängt zu flüchten, er lehnte die Flucht aber ab. Seine Tochter Ursula erinnert sich an seine Worte: "Nein, ich gehe nicht. Das sieht aus, als wenn ich hier irgend etwas verbrochen hätte. Ich habe nichts verbrochen." Nach seiner Entlassung versuchte seine Frau ihn erneut zur Flucht zu bewegen. Ursula Kern: "Die hat so gemeckert und hat ihm schon den Rucksack gepackt und alles. Und mit dem Fahrrad ist er nun eines Tages los gefahren. Und am nächsten Tag ist er wieder da gewesen. Er hat gesagt, ‘Ich kann hier nicht weg und wo soll ich hin und ich habe nichts verbrochen.‘"

Weil er entlassen worden war, wähnte er sich aber in Sicherheit. Vom sowjetischen Kommandanten wurde er zum “Quartalsältesten” in Reetz ernannt und arbeitete mit der Besatzungsmacht. Erst am 25. Juni, also mehr als anderthalb Monate nach Kriegsende, verlor er seine Stelle als Lehrer. Ulla Friedrich erinnert sich an eine Begegnung mit Hermann Gottschalk kurz nach Kriegsende. "Ich bin zu Adolfs Zeiten noch in die Schule gegangen, und wir wurden von Gottschalk gedrillt, wenn wir ihm auf der Straße begegneten, mit ‘Heil Hitler‘ zu grüßen. Nach ‘45 - die Russen waren schon da - haben wir Herrn Gottschalk auf der Straße gesehen. Er kam auf der anderen Straßenseite. Aus Angst sagten wir, ‘Heil Hitler‘. Herr Gottschalk hat uns rübergebeten und hat gesagt, ‘Liebe Kinder, es hat sich was geändert. Wenn ihr mich jetzt trefft, braucht ihr nicht mehr "Heil Hitler" zu sagen.‘"

Seine Tochter Ursula erzählt von den Umständen seiner erneuten Verhaftung: "Meine Mutter hatte eine Schwester in Wiesenburg, die Frau Best, die ein Geschäft hatte. Ihr Mann war schon im Ersten Weltkrieg gefallen. Kurz vor Kriegsende haben sie den einzigen Sohn von meiner Tante eingezogen und der ist auch noch gefallen. Nun war sie ganz alleine. Mein Vater sagte, ich fahre mal zu der Gertrud hin, will mal sehen, was sie macht. Sie ist auch so wahnsinnig alleine. Er ist mit dem Fahrrad dahin gefahren und sie hatte wohl Kaffee gemacht und Kuchen. Da klingelt es an der Tür. Die Frau Best geht hin und macht auf. Es standen ein paar Männer vor der Tür und haben gesagt, ‘Ist der Herr Gottschalk da?‘ Da hat sie gesagt, ‘Ach ja, bitte schön‘. Die waren nicht in Uniform. Die kommen da rein, nehmen ihn fest und meine Mutter hat ihn nie wieder gesehen. Direkt Russen waren das wohl nicht."

Der herzkranke Gottschalk kam ins Lager Ketschendorf und starb wahrscheinlich im Juni 1946. Erst 1948 erfuhr die Familie von seinem Schicksal und zwar durch einen Neffen von Hermann Gottschalk, der ebenfalls Lehrer gewesen war und der auch im Lager Ketschendorf war. "Er hat meine Mutter angerufen und hat gesagt, er hätte ganz strenge Anordnung, er dürfte ihr das an sich nicht erzählen, aber mein Vater wäre gestorben und er wäre nackend über irgend einen Zaun geschmissen worden, als er tot war, und er hätte es gesehen. Aber er hat immer zu meiner Mutter gesagt, du darfst das keinem sagen." Hermann Gottschalk war 63 Jahre alt.

Margarete Gottschalk mußte das Schulhaus räumen. Sie zog zu ihrer Schwester nach Wiesenburg und später zu ihren Kindern nach Westdeutschland. Jahrelang wollte sie die Hoffnung nicht aufgeben, daß ihr Mann doch noch leben könnte, daß die Meldung von ihrem Neffen falsch wäre. Sie starb 1958. Erst 1961 konnte der Suchdienst des Roten Kreuzes den Tod von Hermann Gottschalk bestätigen.

Im August folgten zwei weitere Festnahmen. Am 12 August 1945 wurde Richard Kersten verhaftet. Während des Krieges hatte er als "Sonderführer" gedient und hatte besondere wirtschaftliche Dienste in der Sowjetunion gehabt. Zunächst hatte er Öl- und Benzintransporte in die Ukraine begleitet. Schließlich übernahm er ein Gut von 12500 ha Ackerland im Kreis Jelanez, wo Weizen angebaut wurde. Nach seiner Verhaftung wurde er zunächst nach Brandenburg gebracht und später ins Lager Ketschendorf bei Fürstenwalde. Nach Aufenthalten in den Lagern Sachsenhausen und Fünfeichen kam er nach Berlin. 1948 wurden Vorwürfe im Zusammenhang mit seiner Zeit in der Ukraine erhoben. Von einem Sowjetischen Militärtribunal in Berlin wurde er zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Kersten kam in die Strafanstalt Bautzen. Im Mai 1950 wurde er nach Brandenburg überführt. Zweimal richtete Kerstens Frau Gesuche an den Innenminister der DDR, 1951 und 1955. Beide wurden befürwortet und unterschrieben vom Bürgermeister und den Vorsitzenden der SED und der Bauernpartei. Am 25. August 1956 wurde Richard Kersten entlassen.

Eines Tages wurde Franz Wernicke von Werner Rabinowitsch, der inzwischen Polizist war, mitgeteilt, er müsse am darauffolgenden Tage, dem 25. Augusr 1945, in Belzig erscheinen, um auszusagen im Falle Hermann Menz. Er zog seinen Sonntagsanzug an und fuhr mit dem Fahrrad nach Belzig. Zurück kehrte er nicht. Rabinowitsch: "Ich war der Polizist im Dorf. Ich weiß noch heute, ich mußte hin zum Bürgermeister, da war ein Anruf gekommen. August Kolbe war Bürgermeister und der hatte das einzige Telefon auch. Er hat gesagt, er wurde angerufen, und ich soll mit Wernicke nach Belzig hinkommen. Das war eine russische Dienststelle. Ich kam hin zu der Wache, habe uns gemeldet, und er ging rein. Ich durfte nicht mal mit."

Die Familie erfuhr nur, er hätte sich selbst belastet. Als Ortsbauernführer hatte er unter anderem die Aufgabe gehabt, in Streitfällen zwischen den Bauern und den Fremdarbeitern zu schlichten. Das wurde ihm nun zum Verhängnis. Bei dem Hermann Menz zur Last gelegten Vorfall war Wernicke anwesend gewesen. Ihm wurde vorgeworfen, es nicht verhindert zu haben. Am 6. Januar 1946 starb Franz Wernicke, der kurz vor seinem Verschwinden eine schwere Erkrankung hatte, an Rippenfellentzündung im Lager Ketschendorf.

Fast ein Jahr nach Kriegsende wurde auch Richard "Erdmann" Senst, der frühere Amtsvorsteher, verhaftet. Auf seinem Grundstück wurden vergrabene Waffen gefunden. Die Umstände seiner Verhaftung bleiben unklar, wie auch die Herkunft der Waffen. Manche meinen, die Waffen seien am Kriegsende von sich absetzenden Wehrmachtsoldaten versteckt worden. Andere behaupten, sie wurden dort vergraben, um einen Anlaß zu geben, Senst verhaften zu lassen und damit eine persönliche Rechnung zu begleichen. Sicher zu sein scheint, daß "Erdmann" Senst von den Waffen nichts wußte und daß seine Verhaftung nicht unmittelbar mit seiner politischen Vergangenheit zusammenhing. Sonst wäre er viel eher verhaftet worden. Senst kehrte nie nach Reetz zurück.

Laut der Information aus dem Bürgermeisteramt wurden zwei weitere Personen in Reetz verhaftet, Else Elmers und Ernst Weber. Weber wurde 1946 verhaftet. Es heißt, die Gründe für die beiden Verhaftungen seien unbekannt.


Reetz 1945


1945 war Reetz eine Gemeinde vorwiegend von Frauen, Kindern und älteren Männern. Die Männer der jüngeren und mittleren Jahrgänge waren tot oder in Kriegsgefangenschaft. Einige Flüchtlinge waren weitergezogen. Ende 1945 wohnten aber 534 "Umsiedler" in Reetz. Die Flüchtlinge, oft alleinstehende Mütter mit Kindern, waren nicht unbedingt willkommene Gäste. Dabei hatte Reetz auch Glück. Kriegshandlungen hatten im Dorfe nicht stattgefunden. Nichts war zerstört.

Der Acker war aber in keinem guten Zustand. Der Mangel an Dünger und Arbeitskräften hatten seinen Preis verlangt. Kurt Friedrich erinnert sich an seine ersten Eindrücke als er im Sommer 1945 aus dem Krieg zurückkehrte: "Ich habe mich des Eindrucks nicht erwehren können, daß hier noch kriegsähnliche Zustände herrschten. Das Getreide stand noch ausgewachsen in den Mandeln. Bei der Besichtigung des Viehbestandes stiegen mir die Haare zu Berge. Der Kuhstall war fast leer. Im Schweinestall befanden sich keine Schweine. Im Pferdestall fand ich noch ein Fohlen...Der Acker war total verpädet5. Die Quecken vermehrten sich, der Acker sah fast wie eine Wiese aus. Alles in allemkonnten wir von vorn anfangen."

Im Schloßpark in Mahlsdorf hielt die Rote Armee eine Schafherde und Rinderherden. Dienstverpflichtete Flüchtlingsfrauen mußten sie täglich melken. "Der ganze Park war nur eine Kuhschiete", erinnert sich Ulla Friedrich.

Als die Erntezeit kam, mußten die Frauen trotz Angst aufs Feld. Martha Fricke: "Die Frauen gingen immer kolonnenweise, immer mehrere, keine alleine, aufs Feld. Es hat so furchtbar geregnet, das weiß ich noch, und der Russe hat befohlen, das ganze Getreide einzufahren. Das war klitschnaß. Ich bin mit Bruno Senst - der war schon zu Hause - wir haben unsere Pferde genommen und sind raus gefahren und haben Weizen aufgeladen und der hat getropft. Klatschnaß. Das mußten wir einfahren. Es war Befehl. Das war der erste Herbst."

Es mußte auch gedroschen werden, wenn man dran war, und sei es mitten in der Nacht, denn Strom war knapp. Tiere wurden oft geholt, ehe sie ihr volles Gewicht erreicht hatten. Und die Frauen trugen die Last dieser Zeit. Gegenüber 273 arbeitsfähigen Frauen zwischen 18 und 50 Jahren standen lediglich 83 Männer. Die Frauen mußten die Familien ernähren.

Es war eine "hungrige Zeit". Trotz niedriger Produktivität mußte eine gewachsene Dorfbevölkerung ernährt werden. Aber nicht nur die Dorfbewohner mußten ernährt werden. In diesem Teil Deutschlands hielten sich wesentlich mehr Menschen auf als in der Vorkriegszeit. Menschen kamen durch Reetz auf der Suche nach Nahrung. Es waren Flüchtlinge, Vertriebene, Soldaten auf den Weg nach Hause und Berliner. Sie kamen, um ihre Habseligkeiten gegen Lebensmittel zu tauschen oder oft zu betteln. Erika Lehmann erinnert sich: "An einem Tag waren etliche hier, und dann kam noch einer. Er hatte so einen Hunger. Mein Onkel war hier und sagte nein, wir können nur so weit...Mit einem Mal ist meine Großmutter aufgestanden und hat gesagt, der läuft lahm. Er hatte ein Bein verloren. Dann soll er reinkommen. Ein Sohn von hier hatte auch ein Bein verloren. Sie hat gesagt, wenn einer ein Bein verloren hat, dann kriegt er auch zu essen von mir."

Der Hunger, die jahrelange einseitige Ernährung und der Streß der Kriegsjahre und für viele die Flucht, und die Enge der Wohnverhältnisse waren der Gesundheit nicht förderlich. Im April, im August, im Oktober und im November 1945 sowie im März 1946 verzeichneten die Reetzer Kirchenbücher Todesfälle durch Tuberkulose. Am 7. und am 9. Oktober 1945 starben zwei Reetzer Kinder aus einer Familie an Typhus.

Ilse Moldehn, die im August 1945 als Flüchtling nach Reetz kam, erinnert sich an ihre ersten Eindrücke vom Ort: "Als wir her kamen, war ich das erste halbe Jahr gar nicht im Dorf gewesen. Es gab nichts zu kaufen. Das bißchen, was wir kriegten auf Zuteilung, brachte mein Mann mit im Rucksack. Wir hatten nur ein Fahrrad, das wir uns zusammengebaut haben. Wie ich mal im Dorf war, habe ich gedacht, hier müssen viele tote Menschen sein. Ob jüngere oder ältere, alle hatten dunkle Kleidung an, dunkle Tücher um und dann noch so diese Tragekiepen, wo sie mit einkaufen gingen oder wo sie mit in den Forst gingen. Die Männer waren in der Gefangenschaft und die Frauen mußten irgendwie was verdienen. Ein bißchen Landwirtschaft hatte jeder, ein paar Morgen, und ein bißchen Viehzeug. 45 Frauen haben bei dem Förster gearbeitet, davon 30 Friedrichs. Im Frühjahr und im Herbst haben sie in der Forst gearbeitet, im Frühjahr gepflanzt und im Herbst die Flächen abgebrannt, die wieder kultiviert werden mußten. Und alles auf Holzpantinen. Die sind alle mit Holzpantinen bis in den Wald gegangen arbeiten. Und ich möchte sagen, es war im Durchschnitt doch noch armes Volk. Die einzige Arbeit war das Sägewerk hier und die Ziegelei, oder das Sägewerk in Reuden. Da gingen auch viele hin. Und dann der Wald."

Im August 1945 gab es in Reetz zwei Bäcker, einen Friseur, einen Schuster, einen Sattler, einen Stellmacher, einen Schmied, zwei Müller, zwei Herrenschneider, und fünf Kaufleute. Außerdem hatte Reetz ein Postamt, das sich im Gasthaus Mehlitz befand, und ein Telefonverstärkeramt, das wenig später gesprengt wurde. Nach den Konfiszierungen hatte kein Reetzer mehr ein Auto oder einen Lkw.Fünf Traktoren waren noch vorhanden. Es herrschte auch ein Mangel an Pferden.

Kurt und Ilse Moldehn zogen am 1. August 1945 in das verwaiste und verwüstete Forsthaus Grüne-Grund. Kurt Moldehn hatte die vakante Stelle als Revierförster bei Christa von Drabich-Waechter, der Besitzerin von Gut Schmerwitz, angetreten. Sie erinnert sich: "Moldehn war noch Junggeselle, als er zu mir kam. Der hat erst dann geheiratet. Der kam bei mir in Reetzerhütten an und stellte sich vor, ein junger Soldat und suchte Arbeit und der gefiel mir sehr. Und mein Partner, Dr. Schwarz und ich, wir haben ihn sofort eingestellt. Als wir ihn hingeschickt haben, war das Forsthaus ausgeplündert bis auf die Grundmauern." Zuvor hatten sowjetische Truppen im Forsthaus gewohnt, die die deutschen Kriegsgefangenen zu bewachen hatten, die damit beschäftigt waren, das zweite Schienengleis abzubauen. Ilse Moldehn: "Wir sind hier im August ‘45 hergekommen und hier eingezogen. Da hatten wir kein Licht - alles noch Petroleum - kein Wasser im Haus, draußen lief der Brunnen. So ungefähr 500 Meter auf dem Acker ist ein Brunnen. Der ist nur nicht mehr zu finden. Das war eine Laufleitung. Das lief Sommer wie Winter, Tag und Nacht. Da konnte man Wasser holen. Da war der Teich hier. Der ist natürlich vollkommen hin. Und Abfluß draußen zum Graben hin. Ganz einfach und primitiv. Es waren keine Fenster drin, keine Türen. In der Küche war ein großer Lehmhaufen; die hatten den Herd abgerissen. Da will ich nicht sagen, daß das die Russen waren. Das haben vielleicht auch die lieben Deutschen gemacht. Die Wandverkleidung war ja noch dran von dem Herd. Da lag der große Lehmhaufen und das haben wir uns angeguckt. Dann haben wir uns mit einem kleinen Spirituskocher was gekocht. Wir haben uns Kacheln aus dem Wald gesucht, die früher vielleicht die Leute weggeschmissen haben: lila, weiße, gelbliche, alle Farben, bunt. Einen kleinen Herd hat uns ein ehemaliger Töpfer gebaut, na ja, der hat gesagt, er ist Töpfer, aber da war auch nicht viel dran. Wir hatten schon etwas, woran wir uns wärmen konnten. Dann kam der Winter und es gab kein Petroleum für unsere Petroleumlampe. Dann haben wir Diesel gebrannt. Weiß du, wie wir dann ausgesehen haben abends? Schwarz. Die Petroleumlampe, es gab nur eine, mußte von der Küche zum Zimmer, vom Zimmer zur Küche oder zum Schlafzimmer getragen werden."

Im August 1945 kehrte Pfarrer Gerhard Juergensohn mit seiner Frau und Töchtern nach Reetz zurück. In der letzten Phase des Krieges war die Blindenführhundstaffel in den Harz verlegt worden und im März hatte Juergensohn seine Familie nachgeholt. Nach seiner Entlassung aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft machte er sich auf dem Weg nach Reetz. Als die Familie in Reetz ankam, konnte sie nicht gleich in das von Flüchtlingen belegte Pfarrhaus einziehen. Drei Wochen wohnten sie in einem Zimmer bei Anne Maria Kersten in der Bergstraße.

Als der Flüchtling und neue Bürgermeister August Kolbe aus dem Pfarrhaus auszog, konnte der Pastor und seine Familie einziehen. Barbara Juergensohn: "Wir hatten zwar nur zwei Zimmer, aber das ging ja. Wir konnten uns dann behelfen. Da war natürlich aus unserem Hause sehr viel weg. Die russische Kommandantur war da gewesen und die sind mit mehreren Wagenladungen abgefahren, Teppiche, Gardinen, Matratzen, Betten, Kleidung und mein Silber natürlich. Aber das war nicht so schlimm. Wir waren froh, daß wir überlebt hatten und da haben wir uns eben eingerichtet." Auch Reetzer und Flüchtlinge hatten Gegenstände aus dem Pfarrhaus genommen. Sie mußten wieder eingesammelt werden. "Es war damals eine ziemliche Hungerzeit. Nun hatten wir nichts im Keller, keine Kartoffel, kein Eingewecktes, nichts. Damals ging es uns wirklich ziemlich schlecht. Und den Bauern ging es auch nicht so gut aber wenn sie geschlachtet haben, dann haben wir mal einen Topf mit Wurstsuppe gekriegt."

Sie erinnert sich besonders an die Freundschaft zu der Familie des Müllers Kühne. "Die Kühnes waren eine sehr kirchliche Familie. Sonntagabends gingen wir dann oft zu Kühnes und haben Radio gehört, weil wir kein eigenes Radio hatten. Die gute Frau Kühne, sie ging manchmal in die Küche und kam zurück und brachte für uns jeden ein schönes belegtes Brot. Das war wunderbar. Das war so eine hungrige Zeit."

Zunächst hatte die Kirche einen starken Zulauf zu verzeichnen. "Das Dorf war auch voll mit Flüchtlingen. Aber ich kann sagen, damals waren die Menschen kirchlich. Da waren die Gottesdienste voll. Und je mehr es den Flüchtlingen nachher auch besser ging, desto weniger kamen sie in die Kirche. Not lehrt beten und dann..."

Für die Betreuung von Medewitz und Reppinichen stand Pastor Juergensohn natürlich kein Auto zur Verfügung. Von seinem Schwiegervater, Werner Strücker, Rechtsanwalt und Notar in Belzig, erhielt er aber ein Fahrrad, "und auf dem Fahrrad ist er dann überall hingefahren, bei Wind und Wetter. Und wenn es im Winter gar zu schlecht war, dann ist er zu Fuß gegangen, auch nach Reppinichen und so. Das alles in einem halbverhungerten Zustand." Gelegentlich wurde er zur Kommandantur in Wiesenburg zitiert. Seine Frau erinnert sich an seine Worten dann, "Na, ich nehme vorsichtshalber die Zahnbürste mit. Wer weiß, ob sie mich nicht gleich da behalten."

Kurze Zeit engagierte sich Pfarrer Juergensohn auch politisch. "Mein Mann war nicht in der NSDAP. Es wurde ein Ausschuß gebildet. Da sollten die Menschen, die in der Partei waren, was weiß ich, begutachtet werden und es sollte festgestellt werden, wie weit sie sich engagiert hatten. Und da ist mein Mann in die CDU eingetreten, um ein bißchen zu helfen, daß da Menschen, die nichts verbrochen hatten nicht abgeholt wurden. Es war ersichtlich, daß die CDU immer mehr unter Druck geriet, und da ist mein Mann ausgetreten. Und dazu gehörte schon einiges. Jedenfalls haben sie ihm das sehr übel genommen und warum und weshalb und so weiter und so weiter."


Die Bodenreform


Im Herbst 1945 begann die Bodenreform. Die Kreiskommission für Zauch-Belzig stand unter der Leitung von Genossen Wilhelm Bartels. An 6898 Neubauern und landarme Bauern wurden im Kreis 7417 ha Acker, 6557 ha Wiesen und 29000 ha Wald übertragen.

Weil es überall an Zugvieh, Geräten, Saatgut und Technik fehlte, wurden die Bodenkommissionen in Ausschüsse der gegenseitigen Bauernhilfe umgebildet. Daraus wurde 1946 die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). Ihnen zur Verfügung standen zunächst die Technik und Geräte der enteigneten Betriebe.

In Reetz wurden durch die Bodenreform 17 ha Acker, 46,3 ha Wiese, 301 ha Wald und 7,4 ha an sonstigen Flächen unter 201 neue Eigentümer aufgeteilt. Leiter der Bodenreform in Reetz war Ernst Höpfner. Da Reetz ein Dorf kleiner Bauern war und kein Reetzer enteignet wurde, stammte das Land vom Schloß Mahlsdorf. Die Wiesen waren zum Teil von den neuen Besitzern schon gepachtet worden. Auf Grund alter Loyalität und vielleicht wegen der Erinnerung an das Plündern des Schlosses, war es manchen Reetzern unangenehm, das Land des Rittmeisters in ihren Besitz zu nehmen. Unter den Reetzern, die von der Bodenreform profitierten, waren sogar 21 ehemalige Mitglieder der NSDAP.

 

1 Zwischen 1814 und 1842 hatten sich deutsche Kolonisten aus Schwaben und Mitteldeutschland in Bessarabien angesiedelt
2 Nach der deutschen Besetzung von Polen wurde per Erlaß Adolf Hitlers das "Wartheland" als Reichsgau errichtet, bestehend aus den Regierungsbezirken Posen, Hohensalza und Lodz (die die Deutschen in Litzmannstadt umtauften). Die NSDAP und die SS betrieben dort eine rigorose Politik der "Entpolonisierung" durch die Vertreibung von Polen und der"Eindeutschung" durch die Ansiedlung von Deutschen vor allem aus dem Baltikum, aber auch aus Bessarabien.
3 Russisch für “Mutter”.
4 Die Organisation Todt war eine von dem Ingenieur Fritz Todt aufgestellte technische Spezialtruppe, ursprünglich im Zusammenhang mit dem Bau des sogenannten Westwalls. Seit1933 leitete Todt den Reichsautobahnbau. Während des Krieges übernahm die OT wichtige Aufgaben im militärischen Bauwesen
5 Das heißt, voller Unkraut.

 

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